Bedeutung des Asilarabers - warum ist der Asilaraber schützenswert?

Wo kommt sie her, die Rasse, die man die Geflügelte nennt und wie ist sie entstanden? Poesie, Kultur, Überlieferungen, wissenschaftliche Erkenntnisse/Forschungsergebnisse, sind in Büchern interessant zu Papier gebracht worden.

Die Beduinen züchteten seit dem siebten Jahrhundert n. Chr. Wüstenaraber. Die Araber bilden deshalb die älteste Hauspferderasse, die als reiner Stamm, d.h. ohne Einkreuzung anderer Rassen gezüchtet wurde.

Der Prophet Mohammed ließ der Legende nach 100 Stuten eingezäumt am Ufer eines Flusses dursten. Als er aber die Stuten aus ihrer Umfriedung befreite, ließ der Prophet die Kriegstrompete zum Kampfe blasen. Aus der zum Wasser drängenden Herde lösten sich fünf Stuten und eilten ohne Zögern zu ihrem Gebieter. Mohammed segnete die Stuten und erwählte eine jede zur Begründerin eines reinen Stammes. Khamsa al-Rasul Allahs, die Fünf des Propheten. Nur Nachkommen durften als Araber reinen Blutes gelten, als Asil-Araber (Steinbach).

Dass dies über Jahrhunderte hinweg unter kaum veränderten Bedingungen geschehen konnte, hat mehrere Ursachen, deren wichtigste die sein dürfte, dass Mohammed selbst die Pferdezucht in Arabien nicht nur begründete, sondern dass er durch eine Reihe von Ge- und Verboten dem Pferd und seiner Behandlung einen nahezu religiösen Rang verlieh.

Als der Prophet 632 die Augen für immer schloss, das Haupt in den Schoß seiner Lieblingsfrau Aisa gebettet, befahl er seinen Getreuen, die neue Lehre mit Feuer und Schwert in alle Welt zu tragen, und er hinterließ ihnen die arabischen Pferde als die wichtigsten Helfer im Heiligen Krieg. So trat das arabische Pferd in die Weltgeschichte ein.
 

Was ist es denn nun, was den Asilaraber so schützenswert macht?
Es ist seine Ursprünglichkeit.

Man stellt fest, dass die Natur in der Evolution gerade im Araber wohl schon früh den „Idealtyp“ im Hinblick auf Anforderungen an sein natürliches Umfeld geschaffen hat. So ist der Araber eine Reinform, die sich in ihrem Typ bis heute gehalten hat, denn er musste sich nicht mehr verändern, weil er seine idealtypische Rasseform schon früh gefunden hat. Er kompensierte körperliche Anforderungen durch erhöhte Sinnesleistung.

Der Wüstenaraber musste nicht viel von seinen Gewohnheiten ablegen, als er zu den Beduinen kam, denn die Stämme zogen genauso umher, wie es Pferdeherden zuvor ohne den Menschen getan hatten.

So sehen wir den Schweif des Asilarabers noch auf der Domestikationsgrenze. Durch seine fast belassene Urpferdlichkeit werden ihm die Beinamen Ur-Vollblut, Wüstenaraber gegeben. Kirsch, der Maß genommen hatte, möchte aber eher von „im Wüstentyp stehend“ sprechen.

Auch Dr. Wenzler beantwortet die Frage, ob sich der Wüstenaraber früherer Jahrhunderte geändert hätte mit „Nein, es brauchte sich – rein gezogen – bis heute nicht zu ändern.“

Unterstrichen wird dies auch durch das Hirnvolumen. An erster Stelle steht hier das Przwalski Pferd und an zweiter Stelle der Asilaraber. Der Asilaraber besitzt mehr Hirnvolumen als andere von Menschen gezüchtete Pferde und steht damit dem Wildpferd näher (s. hierzu auch Klynstra).
Und hervorgehoben wird dies von dem Autoren Schäfer: „In der heutigen Zoologie jedoch sollen alle wilden Vorfahren der jeweiligen Haustiere prinzipiell ein größeres Gehirn besitzen als ihre zahmen Abkömmlinge.“

Wir finden wildes Verhalten beim Asilaraber. So berichtet der Stutenmeister vom Haupt- und Landgestüt Marbach, Herr Niethammer, darüber, dass Asilaraberstuten ihre Fohlen aggressiver verteidigen, wie die anderen Vollblutaraber des Gestüts. Jahn-Micek beschreibt es so: „Sie können aber zu kampflustigen Löwinnen werden, wenn es darum geht, ihre Fohlen und Freundinnen in Gefahr zu beschützen.“

Der Asilaraber wirkt(e) in seiner Zwitterstellung als Natur- und Kulturasse:
So haben die Natur, das karge Leben, die Bedrohung durch äußere Gefahren Mensch und Pferd zu einer unlösbaren Lebenseinheit zusammengeschweißt (Wenzler).
Der Asilaraber ist der Träger und Erhalter der Erbgesundheit und ist als Regenerator für alle Pferdezuchten unentbehrlich. So gibt es in den Edel- und Warmblutzuchten der Welt keine Rasse, die nicht durch den Asilaraber entstanden wäre.

Der Grund für die durchschlagende Vererbungskraft einiger in die Bundesrepublik importierter ägyptischer Or. Ar. ist sicherlich in ihrer asilen Abstammung zu sehen, die über Jahrhunderte mit größter Sorgfalt gepflegt wurde. Nicht zuletzt wegen derzeitig in Ägypten fehlender und in der Bundesrepublik zu wenig durchgeführter konstitutionsbezogener Leistungsprüfungen gewinnt die lückenlos auf Beduinenzucht zurückgehende Abstammung um so mehr an Bedeutung (Bakels, 1980).

Herr Dr. Wenzler war bei den Vollblutarabern dafür, eine Pedigree-Verdichtung hin zu SE-Asil vorzunehmen. Ich empfände das als verlustreich. So haben sich Typen bei den Altdeutschen, Polen, Spaniern, Russen in der Vollblutaraberzucht herausgebildet, die ich nicht missen möchte. Der SE-Asilaraber ist der Erhalter seiner Art. So soll er auch wirken finde ich und so lange es Menschen gibt, die den Asilaraber auch rein in seiner Art erhalten, steht dem auch nichts im Wege.

Ein „Asilgedanke“ hierbei ist, daß die Hengste das übernehmen und die asilen Stuten der Asilzucht vorbehalten bleiben. Dies ergibt sich einfach daraus, dass eine Stute nur ein Fohlen pro Jahr bekommt und ein Hengst da anders wirken kann.

Dass der Asilaraber der Erhalter seiner Art ist, möchte ich am Beispiel der russischen Vollblutaraber erklären: Die Russen züchteten den Vollblutaraber zielstrebig in die Richtung Kavalleriepferd. Durch den asil-ägyptischen Aswan der in Tersk eingezogen war, war es den Russen möglich innerhalb von nur einer Generation den ursprünglichen Typ sofort wieder herzustellen.

In der heutigen Praxis hat sich gezeigt, dass Vollblutaraberzüchter bemerkt haben und dies auch praktizieren, dass zumindest in jeder dritten Generation ein SE-Asilaraber einfließen muss, damit der Typ „aufgefrischt“ wird.

Wenn man den Faden nun weiter spinnt, denkt man automatisch an Verdrängungszucht und das der asile also reine Araber wieder zurück gezüchtet werden könnte. Hierzu möchte ich sagen: Die Fremdblutgene sollen irgendwann durch Verdrängungszucht nicht mehr vorhanden sein aber nach Adam Rieses Rechengrundlagen eben nicht verdrängt und asil werden sie nicht mehr.
„… denn reißt die Geschlechterkette einmal ab oder wird sie mit zweifelhaftem Erbgut verunreinigt, dann ist der echte Vollblutaraber endgültig verloren (Wenzler).“

Während der VA-Züchter an einem Zuchtfortschritt (Weiterentwicklung eines Zustandes) arbeitet, darf der Asilaraberzüchter nur eine züchterische Pflege/Gesunderhaltung und keine Veränderung vornehmen = Erhaltungszucht. „Züchter müssen die Pferde züchten, die in ihrer Zeit gefragt sind.“ Diesem Leitsatz darf ein Asilaraberzüchter nicht folgen, weil er als Erhalter seiner Art unverfälscht bleiben muss.

In der Erhaltungszucht muss vielmehr Wert gelegt werden auf die Araber kennzeichnenden Merkmale wie Gesundheit, dem Menschen so zugewandter guter Charakter, arabischer Typ, hohe Fruchtbarkeit, Leistungsfähigkeit- und bereitschaft usw. Gerade eine Erhaltungszucht muss einen gesunden Genpool erhalten - es darf nicht zu einer Degeneration/Inzuchtdepression kommen. Der Asilaraber muss zu jeder Zeit die guten Eigenschaften in die Nichtasilzucht einbringen können. Der Züchter hat hier noch mehr Verantwortung bei der „Selektion“, da die natürliche Auslese fehlt.

In der Schrift des Direktors des Instituts für Haustiergenetik, München, Professor Dr. Dr. F. Bakels wird in überzeugender Weise aus der Sicht des Tierzuchtwissenschaftlers die Bedeutung der Asilzucht bewiesen und die Verpflichtung herausgestellt, den unschätzbaren Genpool zu erhalten.
In einem Geleitwort schreibt er:
Die UNESCO hat berühmte Baudenkmäler und bedrohte in der Wildnis lebende Tierarten zum Weltkulturerbe erklärt. Auch die kleine Elitegruppe des Asilarabers ist seit langem gefährdet und kann nur durch ständiges, unermüdliches Engagement bewahrt werden.“

In dem Bemühen, die Erhaltungsgründe dieses Pferdes näher zu bringen und zum Nachdenken anzuregen, diesen vollkommenen Wüstentyp nicht „kaputt“ zu verbessern oder ihm eine Gestalt anzuzüchten, die ihn lächerlich macht.

Im Oktober 2011, Rosi Straub