Babson-Ägypter in Deutschland


Vlacq Fadl Nadir - Im Asil Araber Gestüt El Kadir

Andrea Klein, die Gestütseignerin, ist eher für ihre asilen Vollblutaraber mit Linien wie Davenport oder Turfa bekannt. Jedoch lassen sich ihre Pferde auch auf beste rein ägyptische Linien zurückführen. Nachdem fast der gesamte Stutenbestand aus Töchtern ihres inzwischen 26 Jahre alten Hengstes Shameer von Sindibad aus der Maishiwa von Mohafez bestand, machte sich Andrea Klein auf die Suche nach einem neuen Hengst. Nach mehrjährigen Recherchen fand sie ihn schließlich auf dem Gestüt der Familie Pyke in Wales, Großbritannien.

Vlacq Fadl Nadir

Vlacq Fadl Nadir, geboren 2014, ist ein Dunkelschimmel aus rein ägyptischen Linien (straight egyptian), Al Khamsa, Asil-Club, Sheykh Obeyd Foundation und Blue List anerkannt und geht ausschließlich auf alle 6 Pferde der Babson-Importe und auf Ansata Ibn Halima zurück.

Die Mutter Dunkeld Mairi, eine Dahmah Shawaniah, stammt in der Mutterlinie und auch sonst mehrfach von Bint Bint Sabbah von Baiyyad ab. Bint Bint Sabbah ist eine Halbschwester zu Bukra von Shahloul, der Mutter des nach Deutschland importierten Ghazal. Dunkeld Mairi bestand in Norddeutschland erfolgreich Ihre Stutenleistungsprüfung bei den Reitponys.

Der Vater Princeton Mariner entstammt sowohl in der Vater- als auch in der Mutterlinie der Kuhaylan Jellabi Linie (laut mitochondrialer DNA in der jüngeren Forschung Saklawi Jedran Ibn Sudan über Ghazieh, interessanter Weise der gleiche Mutterstamm aus dem Moniet el Nefous kommt) der Maaroufa und ihres Vollbruders Fadl von Ibn Rabdan. Vater Princeton Mariner war auf der britischen Insel siegreich in Reit- und in Schauklassen.

Auf diese Linien gehen Pferde wie Jasir, der die Vollblutaraberzucht im Haupt- und Landgestüt Marbach über den zweiten Weltkrieg rettete, oder in jüngerer Zeit in USA RDM Maar Hala, El Haddiyah, Imperial Baarez oder Ansata Nile Echo und in Deutschland Manal, Amir Mahabb und Mohafez, der asile Tufail zurück. Bis auf Jasir entstammen alle der Kombination aus Babson-Pferden und neueren ägyptischen Linien, im Fall Tufail auch asile Linien wie Davenport oder Turfa. Interessanterweise haben die deutschen Repräsentanten dieser Linien alle neben guten Noten bei der Hengsteintragung auch eine hohe Punktzahl in der Hengstleistungsprüfung erzielt.

Serr Maariner

Aber keiner war so erfolgreich im Sport wie Vlacq Fadl Nadirs Großvater Serr Maariner. Ein brauner Hengst, der wie kein anderer Vollblutaraber erfolgreich im Dressursport bis auf Grand Prix Niveau gegen Warmblüter startete: Neben drei US National Championships im Dressursport bei den Arabern brachte er es zur USDF Gold Medal für Erfolge in der Dressur auf Grand Prix Niveau gegen Warmblüter und war 6 mal USDF Horse oft he Year.

Auch Vlacq Fadl Nadir wird sich wie seine Stallnachbarn Shameer, Kazeem Ibn Shameer und alle Stuten im Asil Araber Gestüt El Kadir unter dem Sattel beweisen müssen.

Aber was könnte ein Pferd wie Vlacq Fadl Nadir für die moderne Ägypterzucht interessant machen?

Zum einen handelt es sich um einen Outcross aus den allerbesten rein ägyptischen Linien. Da diese Gruppe von Pferden durch Henry Babson bereits in den 1930er Jahren nach den USA exportiert wurde und dann geschlossen weiter gezüchtet wurde, fanden weder die später in die EAO-Zucht integrierten Rennpferde-Vererber noch die aus dem Inshass Gestüt von König Farouk 1952 in die EAO eingegliederten Pferde Eingang in diese Zucht. Auch Ansata Ibn Halima den wir in der 5. Generation in Vlacq Fadl Nadirs Papier finden, führt keine dieser Linien. Bis auf ein einziges Mal in der 6. Generation über Ansata Ibn Halima ist Vlacq Fadl Nadir Nazeer frei. Er hat aber gleichzeitig Blutanschluss an die moderne ägyptische Zucht, da die Babson Pferde genauso wie die modernen ägyptischen Pferde auf die frühen Stammpferde der Royal Agricultural Society und die Zuchten der ägyptischen Prinzen Prinz Mohamed Ali Tefwik und Prinz Kemal el Dine zurückgehen.

Zum anderen war das Zuchtziel der Babson Farm etwas anders, sprich nutzungsorientierter (reitorientierter) angelegt, als das unserer heutigen Zucht rein ägyptischer Pferde. Es entstand ein eigener für die Babson Farm typischer Pferdetyp. Gleichzeitig wurden diese Merkmale durch die über Jahrzehnte durchgeführte In- und Linienzucht in den Babson Pferden genetisch relativ sicher verankert. Dieser Typ hat sich auch bei den heutigen Züchtern dieser Pferde erhalten, die das typische Erscheinungsbild und auch die inneren Eigenschaften dieser Pferde mit großem Enthusiasmus pflegen.

 Damit können Babson-Pferde folgende Eigenschaften wieder in die Zucht einbringen:

- Ein ruhiges, ausgeglichenes, sehr menschenbezogenes, kooperatives und intelligentes Wesen. Man könnte fast sagen, sie haben von Natur aus Manieren.

- Schöne, große, gut platzierte Augen, Trockenheit und eine tolle Schweifhaltung.

- Einen harmonischen, athletischen Körperbau mit guter Bemuskelung.

- Gute, taktreine ausbalancierte Bewegungen in allen drei Grundgangarten.

- Viel Pigment, Pigmentstörungen sind in diesen Linien unbekannt.

- Gute Beine und Hufe.

Fragen zu diesen Blutlinien und zu Vlacq Fadl Nadir beantwortet gerne Andrea Klein.
Asil-Araber-Gestüt El Kadir http://www.el-kadir.de/

Im Oktober 2017, Anne Cuhlmann