Michael J. Rentfro mit Dream a Prisciption

Mr. Michael J. Rentfro traf Morafic

Michael J. RentfroVor uns fuhr ein Jeep mit der Aufschrift
http://www.comes-a-horseman.de/
Zuhause habe ich mir die Homepage angeschaut und war wie elektrisiert, als ich las, daß Mr. Michael J. Rentfro Erfahrungen mit Arabern auf der Gleannloch Farm gesammelt hatte! Ich erinnerte mich daran, daß uns Predrag/Shams aus dem Forum erzählt hatte von einem Herrn, der Morafic noch persönlich kennen gelernt hatte. Sofort war mir klar, daß Herr J. Rentfro für das Forum sowohl wegen seines Hintergrundes bzgl. der Gleannloch Farm, als auch wegen der Reiterei von SE-Asil-Arabern sehr interessant ist. Der gebürtige Texaner kam der Liebe wegen 2000 nach Deutschland und arbeitet hier als Selbständiger:
Neben dem Einreiten von Pferden und der Aus- und Weiterbildung von Westernpferden gibt er auch Reitunterricht.  Mr. Michael J. Rentfro sagte uns ein Interview zu, welches Ralf geführt hat:

Wie kamen sie zu den Pferden und wie führte sie der Weg zur Gleannloch Farm?
Michael J. RentfroIch war mit dem Sohn von Mr. McNair, dem Trainer von Morafic, auf der High School. Er nahm mich mit zur Gleannloch Farm. In der Zeit von 1969 bis 1977 durfte ich immer wieder auf der Gleannloch Farm als Pferdepfleger arbeiten.

Wie war das Leben für sie auf der Gleannloch Farm und wie haben sie es erlebt bzw. haben sie mitbekommen, daß die Ägypter gehandelt worden sind, wie Diamanten?
Ein Pferd ist erst mal so viel Wert, wie der Schlachtpreis. Es liegt am Besitzer, den Käufer von einem höheren Wert zu überzeugen. 1975 war wahrscheinlich das bedeutendste Jahr der Ägypter bei der U.S. Nationals Horse Show. Absetzer gingen für 45.000,00 Dollar weg und Morafic war mit zwei Millionen Dollar versichert. Zur Erinnerung: Ein Dollar betrug damals drei DM. Das größte Event ist jedes Jahr das “U.S. National Championship“. 1975 belegt die Gleannloch Farm die ersten 3 Plätze bei den 3jährigen Stuten (Mare Halter Futurity). Es waren die Morafic-Töchter:
Shafeekah aus der Magidaa 1ter Tom McNair
Doriah aus der Dawlat 2ter Rita McNair
Shahira aus der Shiaa 3ter Michael J. Rentfro
Dies hat meines Erachtens kein anderer Züchter geschafft.

Tom McNair mit Morafic - Fotograf unbekanntMorafic (Nazeer x Mabrouka), der prachtvolle Saklawi Jedran-Hengst, war so stark, daß er sogar die Jockeys in Ägypten auf der Rennbahn einschüchterte (Forbis). Als Morafic als Hauptbeschäler auf die Gleannloch Farm kam, wurde er auf Shows gezeigt aber erst durch den Trainer Tom McNair nahm er angenehmere Umgangsformen an. Haben sie Tom McNair und Morafic zusammen erlebt?
Nur weil Morafic unhändelbar gewesen war, konnte Mr. Marshall, der Besitzer der Gleannloch Farm, Morafic erwerben. Sonst wäre er nicht von der EAO verkauft worden. Wurde Morafic zum Decken aus der Box geholt, rannte er auf seinen Hinterbeinen - und nur auf diesen - schreiend den gesamten Boxentrakt entlang. Morafic war so extrem im Umgang, daß man den verzweifelten Versuch unternahm ihn zu bändigen, in dem man ein sehr langes Seil um einen Pfosten band, als er auf zwei Beinen los rannte, so daß Morafic einen Salto drehte, als das Seil zu Ende war. Von dieser Verzweiflungstat, die drei Mal durchgeführt worden war, sah man dann ab, weil er sich eher das Genick gebrochen hätte, als klein beizugeben. Morafic war kontrollierbar im Umgang aber im Deckverhalten extrem aggressiv. Michael J. Rentfro mit Dream a PrisciptionIch habe nie ein anderes wild
lebendes oder domestiziertes Pferd mit so einer Präsenz gesehen. Er wusste, er ist was Spezielles! Morafic starb 18jährig an Colitis Disease und wurde vor dem Büro der Gleannloch Farm begraben.

Welcher Nachkomme von Morafic hat ihnen am besten gefallen und waren seine Nachkommen genau so stark und einschüchternd, wie er selbst?
Keines von Morafics Fohlen kam an ihn heran. Der große Star der Gleannloch Farm war kein direkter Nachkomme von Morafic, sondern sein Enkel Sakr, denn keiner war erfolgreicher, als er. Schon mit seinem ersten Fohlen Nabiel wurde er unsterblich.

Welchen Ägypter haben sie besonders gemocht auf der Gleannloch Farm?
Das war der OA Faleh (Alaa el Din x Farasha), der ebenfalls von Mr. Marshall aus El Zahraa importiert worden war. Er war ein ganz Smarter, der leider wenig eingesetzt wurde. Michael J. RentfroAußerhalb der Gleannloch
Farm mochte ich Fadjur (Fadheilan x Bint Sahara) am liebsten. Er war so anständig. Wenn er eine Stute decken sollte, stellte man sie in seine Box und ließ Fadjur vom Paddock in die Box. Er schaute nach der Stute und wenn sie ihm kein Signal gab, daß sie bereit war für ihn, hat er sie in Ruhe gelassen.

Was ist die Grundlage ihrer Arbeit mit Pferden?
Etabliere deinen persönlichen Bereich! Erlaube dem Pferd seinen Freiraum und zeige deinen Freiraum dem Pferd. Nur bei Einladung darf das Pferd in diesen Raum kommen. Beispiel: Die Leitstute jeder Herde wird dem Rest der Herde ihren benötigten Freiraum beibringen.

Araberbesitzer haben oftmals das Problem, Ausbilder für den Beritt ihrer Pferde zu finden. Michael J. Rentfro und Ralf (mit Gay Bar Katy)
Woran meinen sie, könnte das liegen?
Zeitmangel! Es braucht einfach Zeit, einen Schlüssel zum Ägypter zu finden. Wenn man den gefunden hat, dann klappt es und man muß sie austricksen.

Muß man sie nicht eher überzeugen?
Nein, austricksen! Sie müssen denken, es wäre ihre Idee gewesen! Auch darf man den Fluchtinstinkt dieser Pferde nicht unterschätzen. Sie haben das ausgeprägteste unter den Pferden. Weiter zu beachten ist, daß sie meist Alphatiere sind.

Wo sehen sie das Einsatzgebiet des Ägypters und wie sieht es mit dem Westernreiten aus?
Sie können von allem etwas. Für die hohen Klassen des Westernreitens, sind sie nicht gemacht.
Sie kommen aus der Wüste, es sind Renner. Ihre Stärke ist die Distanz.

Worauf sollten Araberbesitzer bei der Auswahl eines Trainers achten?
Auf die Reaktion des Pferdes zum Trainer.

Vielen herzlichen Dank Michael, daß Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast.
März 2012