Seminar mit Judith Forbis Egyptian Event Europe 2017


Inspirierende Stunden über das Leben mit den arabischen Pferden


Fast jeder der hier Anwesenden hat über das Züchten studiert oder ist Züchter und somit habe ich mir gut überlegt, was ich heute hier sage. Ich besitze seit 60 Jahren arabische Pferde, habe Vorlesungen weltweit gehalten, lehrreiche Bücher veröffentlicht, sowie hunderte von Artikeln geschrieben; trotzdem fragen mich die Menschen immer wieder nach „meiner Geschichte“. Das ist in weniger als 1 Stunde unmöglich zu erzählen! So habe ich mich entschlossen, einige Themen und Grundsätze auszuwählen, die mich inspirierten, meine Ziele zu erreichen und die vielleicht auch andere inspirieren können.

J.P. Marquand hat einmal geschrieben „Man muss über das schreiben, was man gelebt hat, um zu einer erstrebenswerten Wahrhaftigkeit zu gelangen“. Das ist auch wahr in Bezug auf das Halten von Vorträgen. Deshalb habe ich hauptsächlich Auszüge aus 1) meinem Buch Authentic Arabian Bloodstock II  - The Story of Ansata ("the gold book") 2) der Vorlesung, die ich an der Universität von Louisville im Jahr 2004 gehalten habe, nachdem ich dort den J.W. Galbreath Award für Herausragendes Unternehmertum in der Pferdeindustrie bekam, sowie 3) aus meinem neuen Buch über Ansata Hejazi - Born to Rule;  Inspiring Lessons  from a Majestic Arabian Stallion, verbunden.

Zuallererst – und das ist eine wichtige Frage: was haben wir alle gemeinsam? Was ist das, was uns alle seit tausenden von Jahren in Bezug auf das arabische Pferd zusammenhält? Die Antwort ist: LIEBE! Warum stelle ich dies an erster Stelle? WEIL LIEBE BLEIBT!

Vergangen sind so viele einmal gesprochene Sprachen; die Enzyklopädie ersetzt durch das Internet, Dampfmotoren auf den Schrottplatz verwiesen; das T-Modell ersetzt durch führerlose Autos; Chloroform ersetzt durch Anästhetika, etc. In jeglicher Sparte der Wissenschaft hält Wissen nicht an; Wandel ist unvermeidbar.

Und nun denken Sie nach! Seit Tausenden von Jahren ist das arabische Pferd im wahrsten Sinne des Wortes das gleiche geblieben; ihre physikalischen Eigenschaften; ihr Charakter und Geist. Die Art, wie sie in Boxen auf Stroh gehalten werden ist die gleiche, sogar ihr Sattel- und Zaumzeug und ihre Ausrüstung die sie tragen, haben sich über die Jahre kaum verändert.

Plotinus, der neoplatonische Philosoph fragte einmal „was ist es, das die Augen jener, die ein schönes Objekt sehen, anzieht und sie heimsucht, sie zu ihnen lockt und sie bei deren Anblick mit Freude erfüllt?“ Dieses Naturgesetz besteht zweifelsfrei. Es ist etwas, das auf den ersten Blick wahrgenommen wird, etwas, das die Seele aus einem uralten Wissen heraus benennt und erkennt, es Willkommen heißt und eins mit ihm wird. Ist es nicht das, was jedem einzelnen hier von uns passiert, wenn wir ein prachtvolles Pferd sehen?

Pferde von Ansata Arabians haben einen Standard in Bezug auf Schönheit und Vortrefflichkeit in der ganzen Welt in fast 60 Jahren gesetzt. Die Bedeutung des Wortes Ansata ist „Schlüssel des Lebens“. Abgeleitet vom Anch-Kreuz, ein in eine Schleife gelegtes Kreuz, das in den Händen von Göttern und Göttinnen im alten Ägypten gehalten wurde. Dieser Schlüssel stand für die Wahrheit und Fortpflanzung der Arten. Somit war Ansata ein geeigneter Name für unser Gestüt.

In „Authentic Arabian Bloodstock II“ habe ich die Geschichte von Ansata Arabian Stud erzählt, indem ich die sechs Kapitel gemäß unserem Lebenswerk arrangiert habe: Der Glaube an die Magie deiner Träume – die Gestaltung des Traums – Träume der Vergangenheit, Realität für die Zukunft – die Verwirklichung des Traums – die Vollendung des Traums – und, und das ist das Wichtigste – das Teilen des Traums. Ich habe diese Titel gewählt, da ich durch nachfolgende Autoren und Themen inspiriert wurde.

„Du wirst, was du werden willst“, James Allen erinnert uns in seinem wundervollen Buch Wie wir denken, so leben wir (As a Man Thinketh) daran. Ohne diese Träumer, die große Träume träumen und an die Magie ihrer Träume glauben, würde es keine Pioniere der arabischen Pferdezucht geben.

Nun, welches sind die Zutaten, die sich ein Zuchtgründer bewusst oder unbewusst zu eigen macht?

LIEBEDas Objekt von Enthusiasmus oder Hingabe. Henry Drummond, ein schottischer Theologe, schrieb das kleine Buch „Das Größte auf der Welt“, in dem er den Brief des heiligen Paul an die Korinther 1-13 so erklärt: „ohne Liebe bin ich nichts“. Liebe ist tatsächlich die Erfüllung des Wortes und am Anfang jeglichen Strebens müssen wir es vor allem lieben.

DAS WORTDer bekundete oder erklärte Geist und der Wille unseres Schöpfers. Am Anfang war das Wort. In seinem Bestseller Die vier Versprechen bemerkt der Autor Don Miguel Ruiz, dass das erste Versprechen „sei untadelig in deinem Wort“ heißt. Dann erwähnt er die anderen Versprechen: „Nehme niemals etwas persönlich.“ „Mache niemals Annahmen“ und „Tue immer dein Bestes“. Alle vier beziehen sich darauf, wie sehr Worte unser Leben beeinflussen und was für eine Beziehung wir zu unseren Mitzüchtern haben.

BEGEISTERE – Bedeutet, zu animieren, zu ermuntern oder die Wirkung auf andere zu erhöhen. Wir hören viel von Motivationssprechern in diesen Tagen. Der Galbreath Award Sieger und legendäre Pferdemensch John Lyons sagte mir einmal: „um zu motivieren, musst du inspirieren. Motivation bedingt kontinuierliche Wiedermotivation. Wenn jedoch eine Person inspiriert ist, wird sie sich selber weitermotivieren. Jemand der inspiriert ist, sieht sich bereits dort“.

TRÄUME Beginne mit der Vorstellung oder einer visionären Idee. Ein Träumer ist ein Visionär, der Ideen hat oder Konzepte begreift, die andere als undurchführbar sehen.

VISIONEtwas, das man im Traum gesehen hat. Eine Manifestation der Bedeutung von etwas Immateriellen. George H.W. Bush verspottete Clinton wegen diesem „Visionending“ bei der Debatte um die Präsidentschaft. Aber dieses „Visionending“ war etwas, dass Clinton seit seiner Jugend im Kopf hatte. Er lernte John F. Kennedy kennen, als dieser Präsident war, stellte sich vor, selbst Präsident zu sein und nahm sich Kennedy als Vorbild; und das „Visionending“ und seine Beharrlichkeit haben ihm Jahre später das Präsidentenamt beschert. Ich darf anfügen, dass er, als ich Clinton das erste Mal traf, gerade sein Gouverneursamt in Arkansas verloren hatte. Ich drehte mich zu meinem Mann um und sagte: „Er wird eines Tages Präsident sein!“. Instinktiv hatte ich in ihm das „Visionending“ gespürt.

ABSICHTDer Glaube an die Magie deiner Träume! In seinem Buch Mit Absicht fasst Dr. Wayne Dyer das Wissen vieler historischer Lehrer zusammen: Alles das, von dem wir uns im Geiste eine Vorstellung machen können, während wir in Harmonie mit der universellen, alles schaffenden Quelle leben, kann und muss geschehen.“

Rudyard Kipling mahnte- „Wenn du das, was du willst, nicht bekommst, ist das ein Zeichen, dass du es nicht ernsthaft genug gewollt oder versucht hast, über den Preis zu verhandeln“. Wir bekommen vom Leben genau das, was wir einbringen und wirklich tief in uns wollen. Wollen wir wirklich etwas, oder meinen wir lediglich, dass wir es nehmen würden, wenn es gerade vorbeikommt? Meistens ist es so, dass gerade dann, wenn wir aufgeben wollen das, was wir begehren, zum Greifen nahe ist, nur wissen wir das nicht. Deswegen, haben Sie Vertrauen und bleiben Sie lange genug dran um es auch zu verdienen. Seien Sie Willens, den Preis der Geduld und des Verzichts zu zahlen, den das Leben zur Realisierung Ihrer Träume verlangt.

Der schottische Philosoph Thomas Carlyle bemerkte weise: „Habe einen Sinn in deinem Leben und wenn du ihn hast, dann investiere in ihn so viel Geistesstärke und Muskelkraft, wie Gott dir gegeben hat und achte genau darauf was du dir von Herzen wünschst, denn du wirst es auch bekommen.

1) Der Glaube an die Magie deiner Träume

Vielen von Ihnen ist vermutlich einmal etwas passiert, das Ihr Leben drastisch verändert hat. Mir passierte das im Alter von drei Jahren. Meine Eltern machten eines Tages einen Ausflug mit mir. Neben dem Highway sah ich einen Ponyring mit einem weißen und einem schwarzen Pony, Runde um Runde gehend mit kleinen Mädchen auf ihren Rücken. Ich rief „Stopp! Stopp! Ich möchte sehen. Ich möchte sehen.“ So hielten meine Eltern an, gingen mit mir zum Ring und ich verliebte mich sofort in Silver, das weiße Pony. Es war Liebe auf den ersten Blick! Ich mochte auch das schwarze Pony, Minnie, aber es war das weiße, das mir den Atem stocken ließ. Eine große Liebesgeschichte nahm ihren Anfang und ich ging jedes Wochenende an den Ponyring, um Silver zu reiten.

In den 1940ern erholte sich Amerika vom II. Weltkrieg, Geld war knapp und meine Eltern konnten es sich nicht leisten, mir ein Pferd zu kaufen. Um Geld zu verdienen harkten meine Freundin und ich Laub zusammen und mähten Gras, damit wir uns Ponys zum Reiten mieten konnten. Später gab ich Reitunterricht im Austausch für kostenloses Reiten. Als Ersatz dafür, dass ich mir kein Pferd leisten konnte, fing ich an zu zeichnen. Damals wusste ich noch nicht, dass ich dadurch, etwas so verzweifelt zu wollen was ich nicht haben konnte, innerlich bereits darauf trainierte vorbereitet zu sein, wenn es so weit war. Durch das Zeichnen lernte ich mich auf das richtige Exterieur eines lebenden Pferdes zu konzentrieren. Ich würde Ihnen raten zu lernen, ein gutes und schlechtes Exterieur eines Pferdes zeichnen zu können. Sie sollten auch Pferdebilder von Meistern ihres Metiers wie Stubbs, Vernet, Gericault, DeDreux, sowie frühere Bildhauer wie Barye und Mene und die der heutigen Zeit, Bogucki und Kasper, studieren.

Wenn man jung ist, ist es wichtig, jemanden zu kennen, der einen inspiriert. Ich liebte und respektierte meinen Onkel George Whitwell, der mit fünf Jahren an Polio erkrankte, zutiefst. Da er nicht mit seinen Füßen reisen konnte, tat er es mit seinen Gedanken. Er war es, der mich mit Ägypten inspirierte und ich schwor, eines Tages dorthin zu gehen. Er und seine Frau, meine Tante Evelyn, verstanden meine Liebe zu Pferden und halfen mir, meine Reitstunden zu bezahlen. Als Geburtstagsgeschenk erhielt ich 1946 das Buch Der schwarze Hengst. Ich las es von vorn bis hinten – und ich fing an zu träumen, dass ich Pferderennen in der Wüste reiten würde; dass ich eines Tages ein besonderes Pferd reiten würde. Dieses Buch inspirierte mich, so wie tausende andere Kinder auch.

Ich nahm Unterricht in einem Reitverein, als ich mich in einen wunderschönen schwarzen Wallach verliebte – sein Name war Black Watch. Die Eigentümerin war Zsa Zsa Gabor, die damals mit Conrad Hilton verheiratet war. Sie hatte keine Zeit und sie ließ mich Black Watch reiten. Er wurde mein erstes Pferd und ich habe stolz meine erste blaue Schleife mit ihm gewonnen.

Ein paar Jahre später kam ein weiteres schönes, schwarzes Pferd in mein Leben und ich trainierte es, um Jagdklassen mit ihm zu reiten. Eines Tages kaufte ihn Eddie Arcaro, der größte Jockey zu seiner Zeit, für seine Tochter. Wer hätte damals gedacht, dass Eddie Arcaro ein paar Jahre später Einfluss auf mein Leben nehmen würde.

Als ich die Highschool abschloss, wollte ich zunächst Werbegrafikerin werden. Ich besuchte das Syracuse University College der Feinen Künste, in Wahrheit aber wollte ich reisen und die Welt sehen. Als ich eine Zeitungsannonce in der New York Times las: “Sekretärinnen gesucht für die International Cooperation Administration“, (jetzt USAID), bewarb ich mich und wurde genommen. In deren Hauptsitz in Washington DC legte man mir Vorberichte von ICA Missionen in drei Ländern vor, aus denen ich meinen Einsatzort auswählen konnte. Ich suchte mir Ankara in der Türkei aus, weil es dort einen Reitverein gab und man die türkischen Armeepferde reiten konnte.

1957, mit 23 Jahren, kam ich in der Türkei an, bekannt als das „Land von Yok“, gleichbedeutend mit „nichts“, da das Land so arm war. Lebensbedingungen waren eine Herausforderung im ganzen Land. Straßen bestanden aus Schmutz, Lebensmittel waren knapp und die Türken konnten noch nicht einmal Kaffee bekommen. Der größte Teil des Landes war unter Militärkontrolle. Ich jedoch war aufgeregt, verdiente ich doch nun mein eigenes Geld und würde mir ein Pferd kaufen! Sofort ging ich zur Reitschule, in der ich einige türkische Reitoffiziere kennenlernte. Ein türkischer Hauptmann, der mit mir befreundet war, erwähnte „ich habe eine Schimmelstute, die ein bisschen lahm geht, aber wenn du vorsichtig mit ihr arbeitest, wird sie vermutlich wieder in Ordnung kommen“. Ihr Name war Ceylan (die Gazelle).

Sie war meine Inspiration, mein erstes arabisches Pferd, meine erste echte Einführung in diese Rasse. Sie war ein großes Risiko, denn sie lahmte. Aber mit Liebe, Geduld und vorsichtiger Behandlung wurde sie wieder gesund und ich habe mit ihr das Springreiten trainiert. Ich werde niemals vergessen, als ich mit dem Orient Express nach Istanbul fuhr, wo unser Team gegen das Istanbul Team antrat und wir gewonnen haben. Später gewannen Ceylan und ich auch die Zivilen Springmeisterschaften der Türkei.

Damals begegnete ich einem jungen Mann namens Don Forbis. Wir trafen uns in einem staatlichen PX Restaurant und es war auf beiden Seiten Liebe auf den ersten Blick. Er arbeitete dort für die Firma Halliburton. Auch er liebte Pferde und trainierte als Junge Quarterhorses für Pferderennen. Und wie es der Zufall so wollte, hieß das erste Pferd, auf dem er geritten ist, Silver, genauso wie mein erstes Pony.

Don und ich haben am 10. März 1958 geheiratet. Kurz danach versetzte Halliburton meinen Mann in den Südosten der Türkei, deren Hauptsitz neben der römischen Festungsstadt Diyarbakir, mit Aussicht auf den Tigris, lag. Es war eine echte Festung, mit soliden Basaltmauern, erbaut Anno Domini 394 von Kaiser Constantius. Dort gab es keine Ausländer, es lag in der Mitte von Nirgendwo und obwohl der damalige Präsident Atatürk das Verschleierungsgesetz aufhob, trugen einige Frauen diese immer noch.

Als wir von Pferderennen in den Provinzen hörten, überlegten Don und ich uns, ein oder zwei Rennpferde zu kaufen, sie zu trainieren und ich würde sie dann reiten. Dies würde uns etwas zu tun geben, wenn Don nicht arbeiten musste. In diesem Teil der Welt gab es keine weiblichen Jockeys und ich hatte keine Ahnung, ob man mir – einer Frau – überhaupt gestatten würde, mitzureiten. Obwohl ich Pferde auf der Rennbahn von Ankara trainiert hatte, hatte ich keine Ausbildung als Jockey. Nennen Sie es Zufall, aber Sports Illustrated brachte kurz zuvor einen illustrierten Artikel zum Thema „Wie man Jockey wird“ heraus, und was glauben Sie, wer diesen Artikel schrieb? Eddie Arcaro. Der berühmte Jockey, der den schwarzen Wallach gekauft hatte, den ich für seine Tochter zuvor trainierte.

Unser erster Kauf war eine bewährte arabische Rennstute mit Namen Sohret, die vom Staatsgestüt Cukurova Hara in Adana, Türkei, gezogen war. Kurz danach trat ein mürrischer 60jähriger türkischer Pferdemann in unser Leben. Sein Name war Tahir Polat. In der Region war er bekannt unter dem Namen „Der König der Rennen“. Er sagte uns, er habe einen 2jährigen Hengst, den er uns verkaufen wolle. Wir schauten uns den jungen Hengst an und Don sagte: „Ich glaube, dieser Hengst kann Rennen laufen“. Und wir kauften ihn. Tahir verschwieg uns jedoch, dass wir einen Zweijährigen nicht in ein Rennen schicken durften. Das haben wir erst später herausgefunden! Wir fingen dann an auf einer Sandbahn, die aus einem felsigen Gebiet ausgehauen wurde, zu trainieren. Tahir wurde mein Mentor und „Freund“. Jeden früh gingen wir zusammen auf die Sandbahn. Tahir und ich haben unsere Pferde miteinander geritten und Don maß unsere Zeit. Wenn wir fertig waren, kam Tahir mit zu uns nach Hause und wir tranken Tee zusammen. Er liebte es, in den Teeblättern zu lesen und mir stets mitzuteilen: „die Blätter sagen mir, dass ich gewinnen werde und du verlieren wirst“.

Als das erste Rennen stattfand, kamen Frauen zum Zuschauen. Vorher besuchten sie nie Pferderennen. Ihre Ehemänner erlaubten es ihnen nicht. Jetzt bestanden die Frauen darauf zuzuschauen, sie wollten die Amerikanerin reiten sehen. Die Bahn war umgeben von Menschen die zu Pferd, in Kutschen, Autos, Anhängern, LKW´s und auf Eseln kamen. Einige saßen auf Traktoren, einige auf dem Boden. Wird sie wenigstens die erste Runde schaffen? Diese Frage stellte sich jeder dort.

Alle Jockeys wurden auf einer alten Badezimmerwaage gewogen. Als der Starter die Flagge senkte, ging das Rennen los. Ich beobachtete alles sorgsam und mein Start war ok. Plötzlich jedoch näherten sich einige Jockeys an und schlugen Sohret direkt an die Flanke – und der neue Sattel rutschte unter ihren Bauch. Und ich flog. Zum Glück landete ich nicht unter den galoppierenden Hufen. Die darauffolgende Woche starteten wir wieder und von da an ging uns niemals mehr das Geld aus. Bald kamen die Türken und die Araber und brachten Don und mir ihre Pferde zum Trainieren. Wenn ihre Pferde krank wurden gingen Sie zu uns und nicht zur staatlichen Tierklinik. Irgendwann liefen unsere Pferde in Kiziltepe, einem Teil der türkisch-syrischen Wüste, und dann weiter nördlich in Malatya und Elazig.

Als die Zeit gekommen war, Diyarbakir zu verlassen, fuhren wir in der Festung in einem Pferdegespann-Taxi. Wir waren überrascht, als der Taxifahrer sich umdrehte und sagte: „Wir mögen euch wirklich sehr gerne. Wisst ihr, warum? Weil ihr keine Angst hattet!“ In den Augen dieser Türken, die zu den härtesten Kämpfern auf dem Erdball gehören, waren wir mutig und gaben niemals auf.

Somit war mein erster Traum – Besitzer eines Pferdes und Pferderennen in der Wüste – erfüllt und ich habe das Buch Hufschläge entlang des Tigris (Hoofbeats along the Tigris) über diese Abenteuer geschrieben.

2) Die Gestaltung des Traums

Nun fingen wir an, Bücher über das arabische Pferd zu kaufen und reisten durch die gesamte Region um diese Rasse zu studieren. Der Autor und Kenner des arabischen Pferdes, Carl Raswan, informierte uns, dass wir die besten arabischen Pferde auf dem Gestüt der Ägyptischen Organisation für Agrarwirtschaft finden würden und unbedingt dorthin fahren sollten! Er hatte ja so Recht! Dort fanden wir die Pferde, die wir uns in unseren Träumen ausgemalt hatten. Nazeer, Moniet, Mona, Bukra, El Sarie, Morafic. Der Geschäftsführer, den wir treffen sollten, General Tibor von Szandtner, war gerade pensioniert und durch Dr. Mohammed Marsafi, einem Ägypter, ersetzt worden. Er zeigte uns alle Pferde und wir verliebten uns in drei wunderschöne Jährlinge von Nazeer: Ibn Halima, Bint Mabrouka und Bint Zaafarana. Wir hätten ältere Pferde kaufen können. Aber diese Youngster berührten unsere Herzen und wir baten Dr. Marsafi, sie uns zu verkaufen. Er sagte ja und wir fuhren nach Downtown Cairo, um den EAO Generaldirektor Dr. Ahmed Afifi kennenzulernen und die Genehmigung der EAO zu bekommen. An der Wand über Dr. Afifis Schreibtisch hing eine riesige Lithografie von Ciaffar von Alfred DeDreux aus dem 19. Jahrhundert. Seit damals habe ich dieses Bild als das des idealen Arabers im Kopf.

Nach dem Tee und dem Austausch von Freundlichkeiten kam Dr. Afifi zum Wesentlichen! „Wir würden euch diese Jährlinge verkaufen, aber ihr müsst 15.000,- $ dafür bezahlen. Als Frischverheiratete hatten wir so gut wie keine Ersparnisse und konnten nur 10.000,-$ anbieten. Das war zur damaligen Zeit eine Menge Geld. Dr. Afifi akzeptierte unser Angebot mit der Anmerkung: Sie können gerne die beiden Jungstuten gerne kaufen, aber der Junghengst ist unser Geschenk an Sie.“ Das ist der Grund, warum ich das Buch Ibn Halima – Das Geschenk (Ibn Halima - The Gift) genannt habe.

Lassen Sie uns einen Augenblick über „göttliche Fügungen“ sprechen …. General von Szandtner, den wir in Ägypten nur ganz knapp verpasst hatten, schrieb später an Richard Pritzlaff, dass er niemals zugelassen hätte, dass wir diese drei Jährlinge bekommen.

Wir fuhren in den Ferien nach Hause und verschifften die Jährlinge auf einem Frachter. Wir trafen sie in North Carolina wieder und fuhren sie zurück nach Chickasha, Oklahoma, wo Dons Eltern lebten. Wie mieteten uns einen Stall auf einem alten Grundbesitz und prompt fiel Ibn Halima in eine verdeckte Kuhle und riss sich dabei eine riesige klaffende Wunde in sein linkes Vorderbein. Er erfüllte die Redensart „Die Guten sind immer die ersten, die verletzt werden“.

Die Ferienzeit war vorbei. Wir hatten ca. 900,- $ Erspartes übrig und wurden nach Libyen versetzt. In 1959/1960 war das Land noch extrem rückständig. Die Menschen waren ungebildet und die Kinder haben uns auf der Straße angespuckt. Trotzdem haben wir das Beste daraus gemacht und studierten die Araber und Berberpferde des Landes. Wir besuchten auch wieder Ägypten und träumten davon, dort eines Tages zu leben. 1960 kauften wir unser erstes Gestüt in Chickasha.

3) Träume der Vergangenheit, Realität für die Zukunft

Nach sechs Monaten in Libyen wurden wir in den Iran versetzt. Hier trafen wir Khans der Stämme der Gashgai und Bakhtiari mit ihren arabischen Pferden. Später zogen wir nach Griechenland, dort besuchten wir die Rennbahnen und verbrachten Zeit mit ägyptischen Trainern, die zu den Pferderennen arabische Pferde aus Ägypten mitbrachten. Ich analysierte die Darstellungen des arabischen Pferdes der verschiedensten Artefakte im Nationalmuseum und im Parthenon. Andere Aufgaben führten uns dann nach Kolumbien, Südamerika, und dann zurück in die Türkei und dann wieder zurück nach Griechenland. Dann, gleich nach dem Sechstagekrieg in 1967, wurde ein weiterer Traum wahr: Halliburton versetzte uns nach Cairo, Ägypten.

Als wir in Ägypten lebten, haben wir viel Zeit auf dem EAO Gestüt Al Zahraa verbracht und studierten ebenfalls die Darstellungen von historischen ägyptischen Pferden auf Denkmälern in Oberägypten. Wir verstanden nun den „CLASSIC SPIRIT“, wie er von dem Wandmaler Kenyon Cox definiert wurde: „… es wünschenswert ist, dass neue Darstellungen von Wahrheit und Schönheit uns die alte Wahrheit und die alte Schönheit zeigen; nur eben aus einem anderen Blickwinkel und durch ein anderes Medium in Farbe getaucht. Es sollte Glied für Glied zur Traditionskette hinzufügen, jedoch niemals diese Kette unterbrechen.“ Wir waren entschlossen, ein starkes Glied in der Kette der Araberzüchter zu werden.

4) Die Verwirklichung des Traums

In der Zwischenzeit wuchsen unsere Pferde in Oklahoma heran. Doug Marshall von Gleannloch Farms hatte sie besucht und flog nach Ägypten, um ein paar ägyptische Stuten und einen Hengst, einschließlich Morafic, zu importieren. Bevor Morafic ankam, fragte Doug, ob er Ansata Ibn Halima pachten könne, er bot an, ihn zu promoten und im Schauring zusammen mit der lieblichen Bint Maisa El Saghira zu zeigen. Dies hatte einen weitreichenden Effekt auf die Zucht in Amerika und schon bald rutschte das ägyptische Pferd weltweit in einen größeren Fokus.

Die Popularität von Ansata Ibn Halima bedurfte meiner jährlichen Anwesenheit Zuhause, um mich um das Zuchtprogramm zu kümmern. Wir kauften Stuten des Babson Gestütes, aus denen wir die berühmte Ansata Nile – Familie züchteten. Später kauften wir die verkrüppelte Ansata Bint Bukra (Hosnia). Wir wollten sie schon als Jährling, konnten sie aber wegen der afrikanischen Pferdepest nicht importieren. 1965 klappte es endlich, jedoch wussten wir nicht, ob sie wegen ihrem Beckenschaden jemals ein Fohlen würde austragen können. Wir bekamen auch keine Garantien vom EAO deshalb und so war es für uns ein echtes Wagnis, diese Stute zu kaufen. Sie bedeckten Ansata Bint Bukra mit Sameh und wir holten sie nach Hause. Zum Glück war sie tragend und gebar unsere großartige Gründerstute Ansata Bint Misr! Diese Familie wurde zu einem globalen Schatz! Wir kauften auch weitere Töchter von Nazeer und diverse andere Stuten aus Ägypten.

Ein weiteres Beispiel der Visualisierung, des Ziels und der Manifestation bezieht sich auf eines der wichtigsten historischen Dokumente dieser Rasse: dem Manuskript von Abbas Pasha, Vizekönig von Ägypten von 1848 – 1854. Jahrelang stellte ich mir vor, es zu finden. Während wir in Ägypten lebten, lernte ich die Familie des Ahmed Sherif kennen. Ahmeds Großvater, Ali Pasha Sherif, hatte dieses Manuskript irgendwann einmal und so fragte ich Mr. Sherif höflich und immer wieder, ob er sich sicher ist, dass er kein altes arabisches Manuskript über Pferde hätte. Endlich, nach Monaten, fand er das lang vermisste Stück in seinem Keller! Ahmeds Tochter Gulsun und ich übersetzten es. Das Abbas Pasha Manuskript, Pferde und Pferdeleute von Arabien und Ägypten während der Zeit von Abbas Pasha – 1800 – 1860 (The Abbas Pasha Manuscript, and Horses and Horsemen of Arabia and Egypt During the Time of Abbas Pasha - 1800-1860) wurde zu guter Letzt von Ansata Publications veröffentlicht. Ein weiterer Traum ging in Erfüllung!

Mitte der 60er wuchs die Popularität von ägyptischen Pferden in Amerika. Als wir merkten, dass sich alles wie schon in der Vergangenheit in Luft auflösen würde, wenn nichts getan würde, um ihr Erbe zu bewahren, setzte sich eine Gruppe von Ägypterzüchtern 1969 zusammen und gründete die Pyramid Society als eine Bruderschaft, die sich ganz der Bewahrung und des Fortbestands dieser rein ägyptischen Pferde verschrieb. Doug Marshall sagte, er würde den Vorstandsvorsitzenden machen, wen ich seine Sekretärin wäre und die ganze Arbeit erledigen würde! Nun, von Ansatas fliegendem Büro auf unserem Gestüt in Chickasha, Oklahoma, und von wo auch immer wir gerade ansässig waren, habe ich genau das getan. Die Referenzhandbücher, erarbeitet zu pädagogischen und historischen Zwecken, waren die ersten Publikationen der Pyramid Society. Zehn Jahre später wurde Lee Cholak als Geschäftsführer angestellt und die Büros der Pyramid Society wurden in den Kentucky Horse Park in Lexington verlegt. Dort wurde ein jährliches Egyptian Event für Züchter des arabischen Pferdes geschaffen, um ihre Pferde zu präsentieren.

5) Die Vollendung des Traums

Ansata Ibn Halima betrat den Schauring zum ersten Mal und gewann an der Hand von Don Forbis. Später, als Tom McNair ihn für Gleannloch zeigte, wurde er dreimal National Top Ten Stallion. Dann gewann sein Sohn, Ansata Ibn Sudan, die US Top Ten Stallion Schau zusammen mit seinem Vater in derselben Klasse und dies zu einer Zeit, in der 70 – 90 Pferde in den US Halter Classes gegeneinander antraten. Zwei Jahre später, als 83 Champion Stallions In Oklahoma City miteinander konkurrierten, tänzelte Ansata Ibn Sudan in die US National Stallion Championatsklasse ein und (tänzelte) den Sieger aus. Die Zuschauer applaudierten; und bis heute ist Ansata Ibn Sudan das einzige in Amerika gezogene rein ägyptische Pferd, das jemals die Auszeichnung „US National Champion Stallion Honor“ gewonnen hat.

Es kam die Zeit, dass wir Ägypten verlassen mussten und nach Yarmouth in England zogen. Glauben Sie mir, ich weinte bitterlich. Als wir ankamen, mieteten wir ein Apartment mit Aussicht auf die Nordsee. Als wir das Apartment betraten, schaute uns von der Esszimmerwand eine riesige Wandmalerei an, sie stellte zwei Götter und Göttinnen des alten Ägypten mit dem Schlüssel des Lebens dar. Ich konnte es kaum glauben – aber wusste sofort, dass dies ein Zeichen war. Kurze Zeit später erfuhr ich, dass Anna Sewell, die Autorin von Black Beauty, einer meiner Buchfavoriten der Kindheit, in Great Yarmouth gelebt hatte.

Es dauerte nicht lange und ich begann die Bahnfahrten nach London, um das Britische Museum zu besuchen, um dort die Tagebücher von Lady Anne Blunt, der Gründerin vom Gestüt Crabbet, und Scheich Obeyd zu erforschen. Ich habe auch Lady Anne Lytton, die Enkelin von Lady Anne Blunt, getroffen und wurde eingeladen, mit ihr auf dem historischen Anwesen der Blunts zu wohnen. Ich erinnere mich heute noch gerne an das wundervolle Federbett. Damals fing ich auch an, die Bücher Hufschläge entlang des Tigris (Hoofbeats along the Tigris), das Klassische Arabische Pferd (The Classic Arabian Horse) und den geschichtlichen Hintergrund für das Abbas Pasha Buch zu schreiben. Somit bereitete mir der Aufenthalt in England Möglichkeiten, die ich in Ägypten nicht gehabt hätte.

Als Don 1973 pensioniert wurde, bauten wir ein neues Gestüt und zogen nach Lufkin, Texas, um näher an den Gestüten von Gleannloch und Bentwood zu sein. Wir hielten Seminare und feierten unser 20jähriges Bestehen, indem wir Dr. Marsafi als Gast einluden. Als wir noch in Texas lebten, wurde Ansata Halim Shah geboren. Der Hengst, der später die ägyptische Araberzucht weltweit beeinflusste und revolutionierte. Dort wurden viele wunderbare Pferde geboren – und einige der älteren starben. Es gab immer Hochs und Tiefs, mit denen man fertig werden musste.

1980 haben wir ein magisches neues Gestüt in Arkansas gebaut, dass das endgültige Zuhause von Ansata wurde. In dieser Dekade erblühten die Pyramid Society und die ägyptischen Pferde auf internationalem Boden. Egyptian Events fanden in Deutschland statt. Private Gestüte gediehen in Ägypten. Ansata-Blut wurde weltweit nachgefragt. Wir hielten Seminare auf dem Gestüt und ich wurde zur internationalen Richterin anerkannt, um die Würdigung des klassischen Typs und die Kunst des Züchtens in Zeiten zu ermuntern, in denen der „klassische Typ“ im Schauring an Boden verlor.

Über die Jahre besuchten viele berühmte Leute Ansata – Bill Clinton, Paolo Gucci, Patrick Swayze, Mike Nichols, Präsidenten, Grafen aus ganz Europa, Scheichs aus Katar, Prinzen aus Saudi Arabien, aufstrebende und prominente Züchter aus Ägypten und der ganzen Welt.

6) Das Teilen des Traums

In seinem Buch Der Schöpfer der Träume (The Dream Giver) erwähnt Bruce Wilkinson „Sobald sie sich einen Traum erfüllt haben, machen es sich viele Träumer darin bequem und machen ihn zu ihrem Besitztum“. Aber so funktionieren Träume nicht. Am Ende des Tages können sie sich gegen einen wenden. Für mich war es immer wichtig, meinen Traum zu teilen, damit auch andere ihre Träume erfüllen können. Die Gelegenheiten, dies zu tun, kamen auf unerwarteten Wegen.

Das arabische Pferd erlebte eine Renaissance in der arabischen Welt. Eines Tages im Jahr 1989, kam der junge Scheich Abdulaziz bin Khalid Al Thani aus Katar mit seiner Entourage von sechs Freunden an. Er liebte die Pferde und wollte zwei junge Stuten kaufen, die nicht zum Verkauf standen. Wir sahen in ihm den gleichen Enthusiasmus, den Dr. Marsafi und Dr. Afifi damals in uns gesehen hatten, als wir unsere ersten Pferde kauften. Er hatte mit seiner Suche gerade erst angefangen und wir stimmten zu, ihm Ansata Splendora (von Jamil) und Ansata Majesta (von Ansata Halim Shah) zu verkaufen. Majesta wurde die erste Junior Championesse auf der neuen „Qatar International Arabian Show“ und sie wurde eine erstklassige Zuchtstute sowie ein herausragendes Schaupferd.

1994 wollte HH Sheikh Hamad bin Khalifa Al Thani, der Emir von Katar, Majestas Vater, Ansata Halim Shah, und mehrere Stuten kaufen. Nach sorgfältigem Abwägen stimmten wir zu und Halim Shah wurde zu einer Inspiration für die arabische Welt. Ansatas Exporte nach Katar, Saudi Arabien, Jordanien, den V.A.E., Kuwait und sogar Ägypten, wo die Ansata Blutlininen heute führend sind, liefen weiter. Dies waren die Gelegenheiten, der arabischen Welt die Nachfahren zurückzugeben, deren Ahnen aus den arabischen Herkunftsländern stammten.

Dies führte mich zu meinem neuen Buch und somit schließt sich der Kreis dieser Geschichte – und anderer Geschichten wie dieser.

Die Geschichte wiederholt sich

Es gibt ein altes Sprichwort „Die Geschichte wiederholt sich“. Das arabische Pferd hat im Laufe von tausenden von Jahren Kriege überlebt und es irgendwie geschafft, wieder zu erblühen. Wir haben tatsächlich lebenden Beweis hierfür. Während des Golfkrieges von 1990 – 1991 wurde das arabische Blut dahingerafft. Irakische Truppen brachten viele Pferde nach Bagdad und ließen andere zum Sterben in der Wüste frei. Es blieben nur zwölf übrig und das Staatsgestüt behielt nur drei. Nach dem Krieg entschlossen sich ein paar Enthusiasten des arabischen Pferdes neue Zuchtprogramme zu schaffen und kamen wegen der Blutlinien zu Ansata. Bald kamen auch zwei Vertreter des kuwaitischen Staatsgestütes und baten mich ihnen zu helfen, gute Blutlinien zu finden. Wir mieteten ein Flugzeug und flogen durch das ganze Land und kauften Gründerstuten. Diverse erstklassige Ansata Stuten und ein Hengst wurden ebenfalls gekauft.

1) Glaube an die Magie deiner Träume

Unter der Handvoll junger Züchter war auch Mohammed Jassim Al Marzouq. Auch er wurde durch Walter Fairleys Der schwarze Hengst und Die Rückkehr des schwarzen Hengstes inspiriert. Hört sich bekannt an, oder?

Eines Tages, als er an den Pyramiden vorbeiritt, fiel er vom Pferd und brach sich das Schlüsselbein. Während es ausheilte, träumte er davon sich bald ein eigenes Pferd zu kaufen. Jedoch war das nächste Jahr 1990 und der Golfkrieg begann. Nach dem Krieg half er einige Jahre, sein zerstörtes Land wieder aufzubauen. Dann kam die Zeit, als er nach

Ägypten reiste und seine erste arabische Stute kaufte. Jedoch musste Mohammed einige bittere Erfahrungen mit seiner ersten Wahl machen und merkte, dass er zuerst mehr lernen musste, bevor er wieder ein Pferd kaufen würde.

2) Die Gestaltung des Traums

Mohammed studierte Bücher über arabische Pferde, reiste zu anderen Gestüten und wurde ein Kenner und Sammler von arabischer Pferdekunst und am Ende des Tages kaufte er seine erstklassigen arabischen Pferde. Er war davon übezeugt, dass die Araber die edelsten Abstammungen besaßen, genauso wie Typ, Qualität und unverzichtbare Wüsteneigenschaften der originalen Rasse. Er fokussierte sich auf die drei C´s bei der Gestaltung seines Traums: Classic Type (klassischer Typ), Charisma and Conformation (Exterieur).

Auch er fühlte sich zu der Farbe der Schimmel hingezogen. In der Zwischenzeit entwarf und baute er das prachtvolle Gestüt in Wafra und nannte es Ajmal – Die Schöne. Er befüllte sein Gestüt mit Kunst, es ist nun ein veritables Museum.

3) Träume der Vergangenheit, Realität für die Zukunft

Mohammed wollte auch die kuwaitische Araberzucht rückerneuern und die Träume seiner Vergangenheit zur Realität für die Zukunft werden lassen.

Seine Vision war klar: „so lange ich denken kann, war meine Ambition, nicht nur stolzer Besitzer von arabischen Pferden zu werden und an der Entwicklung und Perfektion dieser Rasse teilzuhaben, sondern auch meinen Beitrag zur Wiedereinführung ihrer Blutlinien im Land ihrer Vorväter zu leisten“. Er begann seine Suche nach beidem.

4) Die Verwirklichung des Traums

Irgendwann kam Mohammed zu Ansata. Er hatte eine vollständige Liste von Ansata Pferden erstellt und ihre Blutlinien sorgfältig studiert. Es war das erste Mal, dass jemand so etwas getan hatte. Allerdings wollte er etwas, das wir zu diesem Zeitpunkt nicht verkaufen wollten. Er war verärgert, dass seine Reise umsonst war, aber er akzeptierte kein Nein als Antwort. 1999 kam er zurück und verwirklichte seinen Traum: wir kamen überein, ihm Ansata Hejazi, unseren wichtigsten Zuchthengst, zu verkaufen, zusammen mit einigen anderen erstklassigen Stuten. Zusammen mit anderen arabischen Pferden, die er gekauft hatte, war Mohammed auf bestem Weg, eine Größe innerhalb der Zuchtgemeinschaft zu werden.

5) Die Vollendung des Traums

Ajmal Stud wurde ein Zentrum von Aktivitäten für andere kuwaitische Züchter. Sie lernten über Blutlinien, sammelten Videos aus der ganzen Welt und diskutierten und beurteilten Pferde zu Hause und im Ausland. Ansata Hejazi wurde zum Mittelpunkt ihrer Bewunderung, er inspirierte durch seine Schönheit, sein Charisma und seine züchterische Gesamtqualität neue Züchter zum Nachahmen. Sie waren nicht nur begeistert ob seines einwandfreien Pedigrees, sondern auch wegen seiner edlen Vorfahren, sie liebten seinen Geist und seine Liebenswürdigkeit. So geliebt, nannten sie ihn „König von Kuwait“. In der Zwischenzeit machte Mohammed mit der Vollendung seines Traum weiter.

6) Das Teilen des Traums

Als er bemerkte, dass seine Landsmänner und das kuwaitische Staatsgestüt Bait Al Arab von Ansata Hejazis Gebrauch profitieren könnten, teilte Mohammed mit ihnen Hejazi´s Dienste ohne Berechnung. Er verpachtete Ansata Hejazi sogar für ein Jahr an das Gestüt Al Rayyan in Katar, um den Nutzen dieser Blutlinie auf dortigen Gestüten voranzutreiben. Heute findet man Ansata Hejazi´s Blutlinie auf der ganzen Welt. Ich kann mich an kein anderes Pferd in der Geschichte des arabischen Pferdes erinnern, das fast im Alleingang ihr Erbe in diesem kriegszerrütteten Land wieder aufgebaut hat. Deshalb trägt das Buch von Ansata Hejazi den Untertitel Born to Rule (geboren um zu regieren). Wie dieser Untertitel vermuten lässt, haben viele Züchter - mich mit eingeschlossen – inspirierende Lektionen aus dem Leben eines majestätischen arabischen Hengstes erhalten.

Und nun schließt sich der Kreis
Zum Abschluss möchte ich einige Lektionen, die ich durch das Leben mit Pferden und ihren Besitzern erfahren habe, zusammenfassen.

Unser Schöpfer gab uns die Herrschaft, aber nicht die Beherrschung, über Tiere. Verstehen Sie, dass Liebe die göttliche Inspiration und die motivierende Kraft im Universum ist. Liebe bleibt. Wie wir denken, so leben wir. Gleiches zieht Gleiches an. Fortschritt wird aus Erfahrung geboren. Das Züchten von Pferden ist eine Kunst und alle Künste sind miteinander verbunden – alle haben Wahrheit, Schönheit, Harmonie, Rhythmus, Gleichgewicht, Dimension, Substanz und Form. Gib immer denen zurück, von denen du etwas erhalten hast – die Welt liebt freudige Spender. Gib niemals auf. Sei ein Licht im Dunkeln. Scheue keine Mühen. Bleibe in Verbindung mit den Wurzeln deiner Anfänge. Miste eine Box aus. Striegle und streichle ein Pferd. Fege den Stall aus. Rieche das Heu. Gehe Reiten. Sei untadelig in deinem Wort. Nimm nichts persönlich. Mache niemals Annahmen. Tue immer dein Bestes. Kein Züchter ist eine Insel. Erinnern Sie sich – wir brauchen einander, wenn diese Rasse im heutigen schnellen Zeitalter gedeihen soll.

Und zu guter Letzt – GLAUBEN SIE AN DIE MAGIE IHRER TRÄUME UND SIE WERDEN SICH ERFÜLLEN. SIE TATEN ES FÜR MICH, FÜR ANDERE, UND SIE WERDEN ES FÜR SIE TUN.

Im August 2017, Judith Forbis
- mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung im Forum von Frau Heike Hain
 

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